Bündnis für Demokratie, Respekt und Verständigung.

Auf Initiative der Evangelischen Friedensgemeinde Bremen hat sich innerhalb kürzester Zeit in breites Bündnis 
"Für Demokratie, Respekt und Verständigung" zusammengefunden, das aus Gemeinden und Einrichtungen der Bremischen Evangelischen Kirche sowie mehr als 110 Pastorinnen und Pastoren wie Beschäftigten aus Bildungs- und Sozialarbeit, Kitas, Kirchenmusik und Gemeindediakonie besteht. In dieser öffentlichen Erklärung distanzieren sie sich von den neuerlichen verbalen Angriffen des Pastors Olaf Latzel auf gleichgeschlechtlich liebende Menschen.

Stand: 19. Mai 2020

Erklärung für Demokratie, Respekt und Verständigung

Der Pastor der evangelischen St. Martini-Gemeinde in der Bremer Innenstadt, Olaf Latzel, hat sich erneut gegen eine Personengruppe gezielt verächtlich geäußert. In einem „Eheseminar“, das er auf Youtube öffentlich machte, nannte er gleichgeschlechtlich liebende Menschen „Verbrecher“. Zitat: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day“. Homosexualität sei nach der Bibel angeblich ein „todeswürdiges Verbrechen“. Er behauptete und beklagte einen zunehmenden Einfluss der - so wörtlich - „teuflischen Homo-Lobby“ auf Gesellschaft und Kirche.
 
Die unterzeichneten Pastorinnen und Pastoren, Mitarbeiter*innen, Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen halten diesen neuerlichen verbal-aggressiven Übergriff auf einen Teil der Bevölkerung für unerträglich. Wir begrüßen, dass der Staatsschutz nun gegen Latzel Ermittlungen wegen des Verdachts auf „Volksverhetzung“ aufgenommen hat. Schließlich gilt es, die Demokratie und das Menschenrecht aktiv gegen ihre Verächter zu verteidigen. 
 
Vielfalt bereichert. Der Respekt vor anderen ermöglicht erst ein friedliches Zusammenleben. Daher trifft ein solcher Schlag ins Gesicht von Lesben und Schwulen tatsächlich uns alle und unser demokratisches Gemeinwesen insgesamt. 
 
Wir wissen heute, dass Homosexualität als eine von mehreren Konstanten zur Grundausstattung der Menschheit gehört. Wie es etwa (abweichend von der Mehrheit) zu allen Zeiten und über verschiedene Kulturen hinweg stets einen Anteil an Linkshänder*innen oder beispielsweise Blauäugigen gibt, so lieben seit jeher und überall manche Menschen gleichgeschlechtlich. Liebe, sofern sie denn zwischen mündigen und gleichberechtigten Partnerinnen oder Partnern frei gewählt ist, verdient Respekt. 
 
Fundamentalistische Hassprediger verfahren dagegen nach dem immer gleichen, uralten Muster: Sie verkehren die befreiende Botschaft von der Liebe und Verständigung in ihr Gegenteil, um bestimmte Menschengruppen zu verteufeln und auszugrenzen. Zwar nennen sie sich selbst „bibeltreu“, neigen jedoch zu einem eher willkürlichen Umgang mit biblischen Texten. In ihren Händen wird die Bibel zur Schlagwaffe: Da werden schnell irgendwelche Zitate hergesucht, um sie - aus dem Zusammenhang gerissen - sogleich gezielt gegen bestimmte Personengruppen ins Feld zu führen. 
 
Über einen solch mutwilligen Umgang mit den Schriften wurde bereits in biblischer Zeit heftig diskutiert. Schon Paulus verurteilte jenen „Buchstabenglauben“, der den Kern der Botschaft verkennt und ins Gegenteil verkehrt: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ (2. Korintherbrief 3, 6). Vor 500 Jahren forderte Martin Luther einen historisch-kritischen Umgang mit der biblischen Überlieferung ein. In der Bibel fänden sich widerstreitende Aussagen, die nicht alle gleichermaßen zeitlos oder ewig wahr zu nennen wären. „Schrift legt Schrift aus“, nannte Luther das angemessene Verfahren: Es gelte, widerstreitende biblische Aussagen sorgsam aufeinander zu beziehen und daraufhin zu untersuchen, wo genau „der Geist Christi wehe“ – und wo eben nicht.
 
Sorgsamkeit im Umgang mit der Bibel kann jenen vorgeblich „bibeltreuen“ Extremisten keineswegs attestiert werden, wenn sie gezielt immer wieder das gesellschaftliche Klima und die Würde von Menschen verletzen. Dagegen gilt es, Widerstand zu leisten und den Gehalt der befreienden Botschaft sorgsam zu ehren und zu respektieren.
 
Und noch ein uraltes Muster aus dem Umfeld rechtsextremer Gruppierungen begegnet uns hier aktuell: Zuerst werden Menschen diskriminiert und unverhohlen verbal angegriffen, anschließend aber redet man sich damit heraus, „missverstanden“ worden zu sein. Mehr noch: Der Aggressor flüchtet in die Opferrolle, sieht sich als Opfer einer angeblichen Verschwörung durch eine vorgeblich „teuflische Lobby“. Am Ende wird der berechtigte Protest dagegen gar noch in einen Beweis für die angebliche „Bekenntnistreue“ umgedeutet. Diese Märtyrerrolle wirkt allerdings angemaßt, sie wurde mutwillig selbst herbeigeführt. Denn, mal ehrlich: Was soll eigentlich am Wort „Verbrecher“ missverständlich sein? Deutlicher kann man Menschen doch gar nicht aburteilen. Eine solche Entgleisung muss naturgemäß Kritik hervorrufen, ist sie doch eine pauschale Diskriminierung von Menschen und ein Angriff auf deren Würde.
 
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Erklärung verurteilen Olaf Latzels Aggression gegen gleichgeschlechtlich liebende Menschen und beklagen den Schaden, den seine Äußerungen für das friedliche Zusammenleben im demokratischen Gemeinwesen anrichten.


Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

Evangelische Friedensgemeinde
Evangelische Gemeinde Gröpelingen und Oslebshausen 
Immanuelgemeinde 
Andreasgemeinde 
Auferstehungsgemeinde
Jona-Gemeinde
Evangelische Gemeinde Arsten-Habenhausen
Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Martini zu Bremen - Lesum 
St. Jakobigemeinde
 Evangelische Kirchengemeinde in der Neuen Vahr 

Evangelisches Bildungswerk 
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
 
Lars Ackermann, Jugendkirche
Annelie Adam, Kirchenvorsteherin St. Martini Lesum
Kristina Apelganz, Diakonin
Pastor Uli Bandt
Pastorin Jutta Bartling
Pastor Benjamin Bathelt
Max Blania, Freiwilliges soziales Jahr
Eckart Behm-Blüthgen, Leitender Kirchenvorsteher
Pastor i.R. Arend Bertzbach
Pastor Rolf Blanke
Vikar Eike Blüthner
Pastor Peter Brockmann, Telefonseelsorge
Ida Danielzick, Gemeindeberaterin
Wiebke Davids, Arbeitsstelle Supervision und Gemeindeberatung
Pastorin Hannah Detken
Mary Dierssen, Familienberatung Neustadt
Vikarin Caroline Dutescu
Hendrik Eich, Sozialpädagoge
Vikar Stefan Fippel
Pastor Jens Florian
Pastorin Ulrike Florian
Pastorin Babett Flügger
Vikarin Julia Frohn
Claudia Gerdes, Diakonisch-pädagogische Mitarbeiterin
Bernhard Gleim, Verw. Bauherr St. Remberti-Gemeinde
Christian Gloede, Mitarbeitervertreter
Sonja Gloistein, Kita-Fachberaterin
Tim Günther, Kirchenmusiker
Kirsten Hanschen, Landesverband ev. Kitas
Pastor Norbert Harms
Erwin Haushahn, Kirchenvorsteher
Doris Heinisch, Gemeindesekretärin
Marit Hemmersbach, Verw. Kirchenvorsteherin Jona-Gemeinde
Pastor Gunnar Held
Ulrike Heusmann, Gemeindesekretärin
Jonathan Hiese, Kirchenmusiker
Sonja Hinz, Diakonin
Claudia Hüniken, Gemeindesekretärin
Pastor Clemens Hütte
Megumi Ishida-Hahn, Kirchenmusikerin
Nancy Janz, Fachstelle für Inklusion
Pastorin Esther Joas
Pastorin Carolin Joppig
Pastor Dirk von Jutrczenka
Pastorin Jennifer Kauther
Prof. Dr. Udo Kelle, St. Matthäusgemeinde Huchting
Pastor Volker Keller
Gabi-Grete Kellerhoff, ehem. ALZ Tenever
Inga Kießling, Diakonin
Bettina Kittelmann, Projekt Schöpfungsfreundliche Kita
Pastor Ulrich Klein
Pastor Stephan Klimm
Pastor Bernd Klingbeil-Jahr 
Pastorin Jutta Konowalczik-Schlüter
Ulrike Kothe, Diakonin
Pastor Heinz-Martin Krauß
Pastor Achim Krebber
Pastor Stephan Kreutz
Benjamin Kuhlmann, Sozialpädagoge
Pastor Rüdiger Kunstmann
Pastorin Sabine Kurth
Pastor Volkhard Leder
Pastor Jasper von Legat 
Lorena Leschke-Jendrtzok, Kita-Leiterin
Pastor Ulrich Leube, Familien- und Lebensberatung
Pastor i.R. Ingbert Lindemann
Pastorin Birgit Locnikar
Pastor Jens Lohse
Lennart Lütjens, Freiwilliges soziales Jahr
Ingeborg Mehser, Kirchl. Dienst in der Arbeitswelt
Pastorin Ragna Miller
Meike Mirgel, Diplom-Psychologin
Kirsten Mittmann, Ev. Bildungswerk
Antje Mohme, Diakonin
Leo Morgentau, Bildungsreferentin

Pastor Christian Naegeler 

Pastorin i.R. Annette Niebuhr
Dieter Niermann, Ev. Bildungswerk
Pastor Claus Nungesser
Klaus Pohlmeyer, Theologe und Psychotherapeut
Gabriele Polzin, Kita-Fachberaterin
Heidi Remmers, Telefonseelsorge

Hans-Dieter Renken, Kirchenmusiker
Kerstin Richter, Arbeitsstelle für Supervision und Gemeindeberatung
Annika Riebesehl, Religionspädagogik und Medien
Pastorin Thekla Röhrs
Pastorin Beate Rösel
Pastor Thomas Rothe
Pastorin Almut Rüter
Prof. Alexander Rumpf, St. Ansgarii
Annette Rumpf, St. Ansgarii
Christine Rust, Diplom-Pädagogin
Pastor i.R. Rolf Sänger-Diestelmeier
Pastorin Ute Schmidt-Theilmann
Katrin Schmohel, Kita-Leiterin 
Pastorin Anne-Kathrin Schneider-Sema
Jessica Schuch, Fachberaterin Kitas
Bettina Schürg, Fachstelle Alter
Pastorin Saskia Schultheis
Frauke Seidel, Reinigungskraft
Susanne Stichweh, Reinigungskraft
Pastor i.R. Hartmut Strudthoff
Marian Thal, Ev. Bildungswerk 

Bärbel Tillmanns-Blanke, Kirchenmusikerin
Katja Vahland, Gemeindesekretärin
Pastorin Angela Walther
Pastor i.R. Martin Warnecke
Stefan Weitendorf, Diakon
Elke Wesemann, Diakonin
Pastorin Birgit Wille 

Lena Wittern, Fachstelle für Inklusion
Pastor Thomas Ziaja
Pastorin Yvonne Ziaja
Bernd Zinser, Küster

 

 

Stand: 19. Mai 2020

Zum Weiterlesen

Ausgewählte Links zum Thema, für die wir ausdrücklich keinerlei redaktionelle Verantwortung übernehmen 

Widerstand gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel wächst

Aus der Sendung: buten un binnen mit sportblitz vom 3. Mai

Pastor nennt Homosexuelle „Verbrecher“ 

Frankfurter Rundschau vom 25.04.2020

Von Eckhard Stengel

Kontakt 

Pastor Jasper von Legat
Tel. 0421/52087016
E-Mail: jasper.vonlegat@kirche-bremen.de